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die Ischler Tracht

über die Ischler Tracht schieb Dr. Franz Wirer, ehemaliger kaiserlicher Leibarzt und Begründer des Badeortes Bad Ischl, in seinem Buch "Ischl und seine Heilanstalten" aus dem Jahr 1842:

Die Volkstracht ist ziemlich gleichförmig und besteht bei Männern in einem dunkelfarbigen, langen Rock, kurzen Beinkleidern aus schwarzem Leder, Loden oder Halbwollenzeug, einer bunten Weste unter dem grünen Hosenträger, einer schwarzen Halsbinde, weißen oder blauen Strümpfen und einem großen, schwarzen, runden Filzhut.

Bei der Arbeit wird eine kurze Jacke, welche im Winter aus Schafspelz ist, getragen, und in dieser Jahreszeit auch der Hut mit einer knapp anliegenden Pelzkappe vertauscht. Die großen Knöpfe an den Röcken, welche bei den reicheren Landleuten von Silber waren, werden immer seltener.

Die weibliche Tracht besteht meistens aus einem Spenzer und einem dunklen Rocke, der länger, aber faltenärmer als in Tirol ist; den Kopf deckt eine Haube oder ein gefärbtes Tuch (die baumwollenen braunen sind als Pfeffertüchl bekannt); die runden Hüte aus weißem Filz, deren breite Krempen grün oder schwarz gefüttert sind, tragen viel bei zur malerischen Tracht der hübschen Mädchen, deren, besonders unter den Gmundner Schifferinnen, eine ziemlich große Zahl zu finden ist.

Im großen Sammelwerk "Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild" aus dem Jahr 1889 findet man im Band "Oberösterreich" ebenfalls Hinweise zur Tracht:

Im Gebirge sehen wir noch häufig, bei den Jägern durchwegs, die lederne Kniehose und grüne oder weiße Wollstrümpfe, welche die nackten Knie hervortreten lassen, dazu den grünen Jägerhut mit Gemsbart und Schildhahnfedern, ...

Ein weiterer wertvoller Beitrag findet man im Ischler Heimatbuch, welches im Jahr 1966 - zum 500jährigen Jubiläum der Markterhebung von Bad Ischl - von wirklichen Hofrat Universitätsdozent Dr. Franz C. Lipp zum Thema herausgegeben wurde:

Treten im Haus- und Wohnwesen die bayrischen Züge im Raum von Bad Ischl stärker in Erscheinung, so wiegen in der Tracht zunächst die steirischen Elemente vor. Dies bezieht sich vor allem auf die noch heute gültige grau-grüne Männertracht, deren Schönheitsideal wesentlich in der Steiermark geprägt wurde.

Die zeitweise Betonung der grünen Aufschläge an Kragen und Ärmel, der zylinderförmige Hut mit dem breiten, grünen Band, aus dem sich seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts der "Ausseer" entwickelt hat, der Hutschmuck mit dem Radlbart und Schildhahnfedern vielleicht sogar auf die grünen Strümpfe: dieses "auf und auf grean" hat seinen Weg über den Pötschen und den Fludergraben nach Ischl genommen, wo es die frühere Landlertracht, die eher auf braun, blau und schwarz gestimmt war, überschichtete. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Männertracht vollständig "steirisch" geworden, ja, sie hieß auch so. "Was legst denn heint an?" "Mei Steirergwantl", so mußte die Antwort in den Jahren zwischen 1850 und 1950 lauten, höchstens, daß er hinterher noch ärgerlich sagte: "Ja, selbstverständlich, was denn sinnst?"

Die Bezeichnung "Steirergwand" für die graue Lodenbekleidung ist allerdings auch im Ischlland nur bedingt richtig. Als solche war sie von altersher bodenständig, freilich zeitweise überschichtet und verdrängt. Sie war im Salzkammergut nicht weniger boderständig als im bayrischen Hochland und auch von dort kamen, nicht zuletzt durch die mit Ischl eng verbundenen Wittelsbacher, trachtliche Impulse, die sich just in Ischl mit den steirischen überkreuzten.

Wenn etwa in Bayern dem grauen Lodenumschlag (Revers) am Rock gegenüber dem grünen den Vorzug gaben, und dieses graue Revers um 1910 gegenüber dem grünen die oberhand gewann, so konnte es um 1920 geschehen, daß der wirklich volksverbundene "Bedanschneida" das auf das graue Revers aufgelegte (applizierte) Eichenlaub, wenn schon nicht erfand, so doch wirksam zur Anwendung brachte und damit eine unterscheidbare Ischler Männertracht der Ausseer Tracht an die Seite stellte. Wieder war aus einer fruchtbaren Synthese zwischne bayrisch und steirisch das eigenständig Neue entstanden.

Ähnliche Erscheinungen wie in der Lodentracht der Männer kann man auch an der Frauentracht beobachten. Ein "wesentliches" bayrisch-oberösterreichisches Element der Frauentracht war die in Ischl "Elhaubm" genannte Pelzhaube. Sie dringt, wie so manch andere Eigenheit der Volkskultur aus dem Zentrum des Altbayerntums (Inntal), über Ischl hinaus in das Ausseer Land vor und nicht weiter. Hinter Aussee endigt die Pelzhaube als typisch weibliche Kopfbedeckung (17. bis 19. Jahrhundert). Dagegen hat sich die Linzer Goldhaube über Aussee und den Pyhrnpaß hinaus nahezu die ganze Steiermark erobert, freilich nicht annähernd in derselben Dichte wie in Oberösterreich. Dafür ist, freilich nicht weniger zahlreich, die steirische Gimpen-, Drahtl- oder Hornputzhaube aus der Steiermark in geringem Umfang auch im Ischl des Vormärz (um 1830) getragen worden, wie einzelne Stücke im Ortsmuseum und im bürgerlichen Besitz beweisen. Der weiße Frauenfilzhut (Schwammerlhut) mit der ausladenden, herabgeneigten Krempe ist in der Form mit dem schlanken, sich nach unten geschweift verjüngenden "Stock" (Zylinder) ebenso Salzkammergut-Eigenwuchs wie das Dirndl schlechthin, das glaubhaft als solches (in seiner bewußten Herausstellung seit etwa 1870/80) in und um Ischl "entdeckt" wurde.

 

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